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Mensch und Hund: Warum wir uns ähneln

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Zwischen Hundebesitzern und ihren vierbeinigen Lieblingen gibt es oft eine verblüffende Übereinstimmung: im Aussehen und im Temperament. Alles nur Einbildung?

Verträumter Blick: Wer hat das hier vom wem abgeschaut?

Der massige Körper, das breite Gesicht, die kurzen Beine – ganz das Herrchen! Im anderen Fall sind es die spitze Nase und der tänzelnde Gang des Hundes, in denen sich das Frauchen deutlich widerzuspiegeln scheint. Und überhaupt: Sehen nicht etwa die Jacob Sisters, seit 1960 nur noch in Begleitung ihrer weißen Pudel bühnenpräsent, schon längst selbst irgendwie pudelig aus? Und dieser exzentrische Modezar Rudolph Mooshammer aus München, hatte der nicht dieselbe Affektiertheit wie seine Hündin „Daisy“? Oder war es umgekehrt? Manche Übereinstimmung zwischen Herr und Hund mag überinterpretiert sein, doch neuere Forschung bestätigt die Alltagsbeobachtung: Es gibt gewisse Parallelen zwischen Mensch und Haustier, im äußeren Erscheinungsbild ebenso wie im Auftreten. Der berühmte Zoologe und Verhaltensforscher Konrad Lorenz befand schon vor Jahrzehnten, dass das Studium der „harmonischen Abgestimmtheit von Herrn und Hund“ psychologisch lehrreich sowie „zuweilen auch erheiternd“ sei. Bereits bei der Wahl des Hundes könne man interessante Feststellungen wie diese machen: „Wie im menschlichen Leben führen auch hier sowohl äußerste Gegensätze als auch größte Ähnlichkeit zu einem glücklichen Zusammenleben.“

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ – zumindest dieses Motto trifft auch auf Mensch und Tier zu, wie eine amerikanische Studie ergab. Psychologen von der University of California in San Diego ließen in einem Park 45 Hunde fotografieren. Außerdem wurde der jeweilige Besitzer abgelichtet, ohne seinen Hund und vor einem anderen Hintergrund, damit dies nicht die spätere Zuordnung der Fotos beeinflusse. Später wurden Testpersonen gebeten, die Hunde jeweils dem Menschen zuzuordnen, der ihrer Meinung nach am besten passte. Das Ergebnis verblüffte die Forscher: In den weitaus meisten Fällen gelang es den Testpersonen, reinrassige Hunde dem jeweiligen Besitzer eindeutig zuordnen. Bei Mischlingshunden war dies aber offenbar schwieriger, die Trefferquote war deutlich geringer. Die kalifornischen Psychologen erklären dies so: Bereits bei der Wahl der Hunderasse entscheiden sich Menschen bereits unbewusst nach dem Kriterium der Ähnlichkeit – mit sich selbst. Dass die Zuordnung bei den Mischlingshunden in ihrem Test nicht gut klappte, erklären die kalifornischen Wissenschaftler so: Wenn der Mischlingshund als Jungtier ausgewählt wird, lässt sich sein späteres Aussehen nicht voraussehen, deshalb könne auch in diesem Fall nicht nach dem Kriterium der Ähnlichkeit entschieden werden.

Auch im Verhalten ähneln sich Herr und Hund auffallend häufig. Konrad Lorenz vergleicht dies mit Ehepaaren: „Findet man bei älteren Ehepaaren Züge, als seien Mann und Frau Geschwister, so lassen sich auch zwischen Herrn und Hund im Laufe der Jahre Ähnlichkeiten des Gehabens feststellen, die rührend und komisch zugleich wirken“. Der Verhaltensforscher war überzeugt, dass „die Wahl der Rasse und des Einzelhundes von der Sympathie für das Wesensverwandte bestimmt wird.“ Als „Resonanzhunde“ bezeichnete Lorenz diese treuen Lebensbegleiter des Menschen. Die Beziehung zwischen Hund und Mensch besteht seit vielen Tausend Jahren. Eigentlich kein Wunder also, dass es zu wechselseitigen Anpassungserscheinungen kommt und dass Hund und Herrchen beziehungsweise Frauchen sich auch in ihrem Verhalten angleichen. Nach Ansicht von Professor Kurt Kotrschal, Leiter der „Konrad Lorenz Forschungsstelle“ für Ethologie im österreichischen Grünau, ist diese Sozialisation „mit der zwischen Kind und Eltern vergleichbar.“ Dass Hunde oft die Spiegelbilder ihrer Herrchen sind, ist vielfach bestätigt. Unsichere Hundehalter haben eher einen verunsicherten Kläffer, gelassene und routinierte Hundebesitzer werden diese Stimmung auch ihrem Vierbeiner vermitteln. Auch figürlich sind die Ähnlichkeiten oft frappierend: Der übergewichtige Nachbar führt gemächlich seinen Hund Gassi, der mit seinem dicken Bauch über den Asphalt schleift. Das joggende Frauchen wiederum präsentiert sich stolz mit einem rehschlanken Exemplar aus der großen Caniden-Familie. Wenn sich die Figuren von Mensch und Hund im Laufe der Zeit angleichen, liege dies meist nicht am Hund, betont der Kölner Arzt Dr. Thomas Kurscheid. Bei einem 120-Kilo-Mann, der erzähle, dass sein 20-Kilo-Dackel einfach nicht mehr so schnell laufen könne, sei meist klar: „Der Hund hat sich angepasst.“ Er musste sich auf das Schritt-Tempo des Herrchens einstellen und hat sich wie dieser mit einem Übermaß an Leckereien einen Bauch angefuttert. „Der Hund ist doch nur das Spiegelbild des Menschen“, meint Kurscheid – und entwickelte aus dieser Beobachtung eine originelle Behandlungsmethode: In Kooperation mit einem Kölner Tierarzt bietet er einen umfangreichen Gesundheitscheck an, für Hund und Herr. Sodann wird ein Trainingsplan ausgearbeitet, Zielvereinbarungen und Futter- beziehungsweise Speisepläne festgelegt. Thomas Kurscheid hat festgestellt: „Die Motivation, abzunehmen und fit zu werden, ist deutlich erhöht, wenn beide mitziehen.“

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