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Partnerschaft: Wie die Liebe lange hält

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Wie bleibt das Herzklopfen? Was stärkt die Partnerschaft? Überraschende Expertenmeinungen über die Liebe im Alter. Und fünf Tipps, die Beziehungen lebendig halten

Manchmal ist die Liebe wie eine dieser alten Schallplatten, wo die Nadel hängen geblieben ist. Immer das Gleiche. Klingt nicht katastrophal, gelegentlich dauert es sogar ein bisschen, bis man es merkt. Aber dann nervt es.

Raus aus der Beziehungs-Routine!

Die Beziehung in einer gleichförmigen Endlosschleife: Für den Berliner Paartherapeuten und Autoren Dr. Wolfgang Krüger ist das der Grund, warum sich viele reife Paare nicht wirklich gut verstehen – und warum manchmal der Spaß aneinander auf der Strecke bleibt. „Dass eine länger währende Beziehung in einen Trott gerät, ist zunächst einmal völlig normal“, erklärt die amerikanische Beziehungsforscherin Terri Orbuch.

Wir können nicht immer verliebt bleiben wie am ersten Tag, das wäre viel zu anstrengend – und außerdem völlig unrealistisch. Gut also, dass sich irgendwann Routine und damit auch beruhigende Sicherheit einstellt. Nur: Wie viel davon tut wirklich gut? Jeden Morgen ein Brötchen mit Honig, für sie Kaffee mit Milch, für ihn mit Zucker. Dann ein gemeinsamer Spaziergang. Mittagessen kochen, Mittagsschläfchen, abends den Krimi gucken. Und dazwischen ab und zu die Enkelkinder hüten. Feste Strukturen haben zwar etwas Gemütliches, – aber sie können auch nerven, dann nämlich, wenn man merkt: „Wo bleiben bei dem Ganzen eigentlich wir zwei?“ Und wo der Spaß, die Leichtigkeit, das Abenteuer, die großen Gefühle?

Liebe: Endlich wieder Höhenflüge

Ältere Paare, das zeigen Studien, streiten sich häufiger, weil sie weniger miteinander anzufangen wissen. „Mit zunehmendem Alter verändern sich  Beziehungen“, so Professorin Astrid Riehl-Emde, Psychologin an der Universität Heidelberg, die dort eine Spezialambulanz für ältere Paare führt.

Was passiert etwa, wenn ein Mann im Ruhestand plötzlich den ganzen Tag zu Hause ist? Wie entwickelt sich die Sexualität im Lauf der Jahrzehnte?Und wie viel hat man sich wirklich noch zu sagen, das über Kinder, Kücheaufräumen und Krankheitsgeschichte hinausgeht? Oft bedeutet das Stress. Dennoch: Es gibt sie, die Paare, bei denen es immer noch prickelt, die – mit Aufs und Abs – glücklich miteinander sind.

Was sie verbindet? Im Grunde immer dieselben Faktoren. Das hat Paarforscherin Orbuch in einer Langzeitstudie herausgefunden. Auch andere Untersuchungen, zum Beispiel die des US-Paartherapeuten Dr. John Gottman, kommen zu dem Ergebnis: Glückliche Paare machen erstaunlich wenige Dinge einfach richtig.

Geheimnis eins: Aktivität

„Die Liebe braucht nicht nur Zweisamkeit, sondern auch ein gemeinsames lebendiges Drittes“, sagt Paartherapeut Krüger. Und er plädiert dafür, gemeinsam etwas zu finden, für das beide glühen. Egal, ob man gerne gemeinschaftlich Sushi rollt oder Schafkopfdorfmeister werden will, sich für mongolische Literatur interessiert oder lange Radtouren unternimmt: Hauptsache, es macht Spaß – und es bringt neue Impulse, über die man sich dann austauschen kann. Wie verbindend!

Geheimnis zwei: Gespräche

Eigentlich klingt es banal: Mehr miteinander reden stärkt die Liebe. Allerdings geht es dabei nicht nur darum, wer als Nächster den Müll wegbringt und ob sich Enkel Jonas zu Weihnachten eher über Bausteine oder ein Piratenschiff  freut. „Ein Merkmal glücklicher Paare ist, dass Partner intime Kenntnisse voneinander haben“, sagt Wissenschaftlerin Orbuch. Sie wissen, wer die jeweils besten Freunde sind, welche Dinge den Liebsten tatsächlich stressen, welche Lebensträume er noch hat und welche grundlegenden Werte ihn leiten. Die Expertin rät deshalb: „Lernen Sie Ihren Partner besser kennen, indem Sie mehr mit ihm über wirklich wichtige Dinge sprechen.“ Der Wissenschaftlerin zufolge reichen zehn Minuten Gedankenaustausch am Tag. Egal, ob Sie eine Diskussion über Politik und Glaubensfragen, über Kindheitserinnerungen oder verpasste Chancen führen: Hauptsache, Alltags­themen kommen nicht vor.

Geheimnis drei: Freiräume

Ständig zusammen sein – für alle Paartherapeuten Gift für die Liebe. „Mindestens zweimal die Woche sollte jeder Partner etwas für sich alleine machen“, sagt Krüger. Und das sollten sich auch beide mit frohem Herzen zugestehen. Der Grund dafür: Eine Welt für sich zu haben stärkt das Selbstwertgefühl und führt dazu, dass man für den anderen spannend bleibt. Und dass man sich wieder aufeinander freut. Dabei geht es nicht darum, wochenlang allein auf Reisen zu gehen. Es reicht schon, eine Freundin zum Kaffee zu treffen, in der Volkshochschule Italienisch zu lernen – oder einen Sportkurs zu besuchen.

Geheimnis vier: Respekt

„Alle Menschen haben in Beziehungen das gleiche Bedürfnis“, sagt Orbuch: Sie wollen Nähe und eine Bestätigung ihres Selbstwerts. Aber gerade, wenn die Schallplattennadel mal wieder hängt, neigen viele dazu, genervt zu sein – und das zu zeigen. Orbuch plädiert dafür, immer mal wieder bewusst „die Welt mit den Augen des Partners zu sehen“. Was könnte ihm in einem Moment helfen, in dem er besonders gestresst ist? Wie könnte man mit einer Geste zeigen, wie viel einem am ihm liegt?

Geheimnis fünf: Stille

Abenteuer, reden, sich eine eigene Welt erschaffen: All das hält die Liebe lebendig. Aber manchmal muss auch Ruhe einkehren. „Die wahren Momente der Zweisamkeit sind die ganz stillen“, weiß Krüger. Das sind die Augenblicke, in denen man auf dem Sofa sitzt und liest, schweigt und den Regen vor dem Fenster beobachtet. So, als sei die Zeit angehalten worden.

Sex? Lieber Rotwein

Und wie steht es mit dem Sex? Immerhin ist das einer der Gründe, warum sich viele Paare in Therapie begeben (siehe unten). „Ab dem 60. Lebensjahr kommt es zu einem allmählichen, spätestens ab dem 70. Lebensjahr zu einem deutlichen Rückgang sexueller Kontakte“, hat Astrid Riehl-Emde herausgefunden. Und das, obwohl viele Menschen durchaus noch Interesse an Erotik hätten. „Gerade in Langzeitehen“, so die Paarforscherin, „besteht die Tendenz, paarbezogene Sexualität zu beenden, bevor die sexuellen Möglichkeiten erschöpft sind.“ Das muss kein Drama sein, so die Expertin – aber man müsse darüber reden und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen. Die könne jedoch auch lauten: „Wissen Sie, wir ziehen heute ein Glas Wein vor.“ Und einen Moment der Stille.

Die häufigsten Gründe, warum sich ältere Paare an einen Ehetherapeuten wenden:

 

Nähe-Distanz-Probleme nach der Pensionierung: „Der Übergang in den Ruhestand gilt als kritische Phase, weil der Beruf als Regulator für Nähe und Distanz wegfällt“, sagt Anita Riehl-Emde. Oft haben beide ganz unterschiedliche Visionen, wie sie ihr gemeinsames Leben nun gestalten wollen. Das kann zu chronischen Streitigkeiten führen.

Belastungen durch Krankheit: Der eine ist noch fit, der andere unbeweglich: „Krankheit und Gebrechlichkeit können zu einer Rollenumkehr führen“, sagt Riehl-Emde. So gerät vielleicht der früher dominante Partner in die Rolle des Abhängigen, und derjenige, der früher wenige Entscheidungen getroffen hat, muss plötzlich alles regeln. Die Folge: heftige Machtkämpfe.

Unverarbeitetes: Weitaus öfter als in jüngeren Jahren kommen jetzt unverarbeitete Ereignisse und Verletzungen aus der Vergangenheit hoch und belasten die Beziehung.

Unzufriedenheit im Bett: Wie geht man mit dem Thema Sexualität um? Darüber sind sich viele ältere Paare nicht einig. Oft schläft die Lust deshalb ganz ein.

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