загрузка...
Blogs
Dziobak Volodymyr Dziobak Volodymyr РОЗДУМИ ПРО НАДВАЖЛИВЕ або ЧОМУ НАШІ ОЛІГАРХИ СТАЛИ МОГИЛЬЩИКАМИ НИНІШНЬОЇ УКРАЇНИ

Головним інструментом нинішніх олігархів є безправний люмпен, який живе на подачках від держави, на грані фізичного виживання. Ось чому значна частина пенсіонерів є найкращим їх електоратом, який і допомагає часто приводити до влади їх ставлеників. Для малого і середнього бізнесу сьогодні закриті економічні ліфти у цілих галузях економіки, бо з кожним роком сфери зацікавленості олігархії збільшуються, перекриваючи кисень усім іншим.

Alle Blogs
DER BLOCK DES VERFASSERS
Alle Spalten author
Anträge der USU
ВИМАГАЄМО ІНДЕКСАЦІЇ НАШИХ ПЕНСІЙ!!!
2 Details Vorschläge unterbreiten
Umfrage
{}

Warum war Essen früher besser, Sarah Wiener?

Schriftgröße verkleinern Decrease font
teilen
Seite drucken

Köchin Sarah Wiener engagiert sich für eine bewusstere Ernährung. Im Interview erzählt sie, wie Essen den Menschen prägt

Mit Ihrem Namen verbindet man zuerst die Fernsehköchin. Dabei sehen Sie sich eher als Kämpferin für gesunde Ernährung ...

 

Ich habe vor einigen Jahren eine Stiftung gegründet, die Kindern und Jugendlichen vermitteln soll, gesunde Gerichte selbst zuzubereiten. Es gibt heute an jeder Ecke belegte Brötchen, Würstchen oder Pizza zu kaufen. Damit verschlammen sich die jungen Leute die Geschmacksnerven. Gleichzeitig schwindet das Wissen ums Kochen. Das ist nicht nur schade, es führt auch zu Gesundheitsproblemen.

Stirbt das Wissen, wie man ein Huhn ausnimmt und daraus Suppe kocht, mit der jetzigen Großelterngeneration aus?

 

Ich kann jede Großmutter – und die wenigen Großväter, die es können – nur inständig bitten, dem Kind, dem Enkel, dem Nachbarskind Kochen beizubringen. Oder wenigstens zuschauen zu lassen. Wenn man nicht weiß, wie natürliche Hühnersuppe schmeckt, wenn man nicht erlebt hat, wie sinnlich das Kochen ist, wird man auch keine Sehnsucht danach verspüren.

Kochsendungen sind sehr beliebt. Das Interesse ist also doch da!

 

Da geht es ja nicht nur ums Kochen, sondern auch um Wettbewerb, um Psychologie, um Voyeurismus. Man sieht gerne andere arbeiten und liebt das Gefühl: Ich könnte das auch, wenn ich wollte.

Warum schmeckte das Essen vielen Menschen früher besser?

 

Weil wir heute nur noch stark verarbeitete oder tote Nahrung zu uns nehmen. Wir entfremden uns von der Natur und sind beherrscht von der Angst vor Bakterien und Viren. Aber wenn wir jede Milchsäurebakterie töten, ist das das Gegenteil von gesunder Ernährung. Und auch der Geschmack bleibt auf der Strecke.

Im Nachkriegsdeutschland galt eine Hausfrau als altmodisch, wenn sie auf industrielle Fixprodukte verzichtete ...

 

... oder wenn sie noch das handgewebte Leinentischtuch auflegte und nicht die praktische Plastiktischdecke. Es galt die Devise, immer alles mitzumachen, was machbar war. Niemand hat überlegt, ob das Legitimation genug war. Es ist machbar, Hochleistungspflanzen zu züchten, die nur durch Pestizide und künstlichen Dünger überleben können, also machen wir das. Heute wissen wir, dass die Ressourcen endlich sind und unsere Art zu leben eine Sackgasse ist.

Sind ältere Menschen noch offen dafür, ihre Essgewohnheiten umzustellen?

 

Das ist nicht anders als bei jungen Leuten: Ein paar sind sehr wach und denken sehr mutig. Leider können die meisten älteren Männer gar nicht kochen. Man sollte in Kochkurse für ältere Leute investieren und ihnen die Möglichkeit geben, sich selber zu ernähren. Zehn Gerichte, die in 15 oder 20 Minuten zuzubereiten sind. Man weiß heute, dass Ältere, die selber kochen, fitter im Kopf sind. Kochen gibt Würde und Selbstwertgefühl, macht unabhängig von Essen auf Rädern.

In Ihrem Leben gab es auch eine Tüten­suppen-Phase.

 

Ich war 24 Jahre alt, alleinerziehend und Sozialhilfeempfängerin. Als Hartz-IV-Empfänger hast du eigentlich Zeit zu kochen, machst es aber selten. Nicht weil frische Produkte teurer wären – das Gegenteil ist der Fall. Sondern weil du voller Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle bist. Da isst du nur irgendetwas, um satt zu werden.

Stimmt die Geschichte, dass ein Kuchen Ihr Leben verändert hat?

 

Sagen wir mal so: Wäre er nicht gelungen, hätte ich sicher nicht so leidenschaftlich weitergebacken. Als ich bei meinem Vater als Küchenhilfe arbeitete, habe ich einfach mal einen Kuchen gebacken. Das war wie Magie. Er fand reißenden Absatz, und so backte ich noch einen und noch einen ... Wenn sich der Erfolg nicht so schnell eingestellt hätte – ich hätte auch nicht lange darauf hingearbeitet. Da war ich viel zu faul, bequem und undiszipliniert.

Sie kokettieren – wie hätten Sie sonst Ihr Unternehmen aufbauen können?

 

Ich habe lange den Spagat versucht, professionell jeden Tag zu kochen, Unternehmerin zu sein, meine Stiftung zu unterstützen und die Medien zu „bedienen“, aber das geht nicht. Wenn das jemand von sich behauptet, das möchte ich doch sehr bezweifeln. Ich habe zum Glück Mitarbeiter, auf die ich mich voll verlassen kann.

Sie wuchsen im Geist der 68er auf  – und schmissen die Schule ...

 

Als Sechsjährige kam ich ans Lycée Francais. Wir wurden geschlagen, manche wurden angebunden, wenn sie im Unterricht auf die Toilette mussten, bis sie in die Hose machten. So war das damals. Später wechselte ich auf eine Rudolf-Steiner-Schule, dann auf ein Mädcheninternat, doch mit 16 wollte ich lieber Schäferin werden und brach die Schule ab. Ich musste aber bald feststellen, dass das nicht so idyllisch war, wie ich gedacht hatte. Ich bin dann eine Weile herumgereist, habe in Sizilien als Orangenpflückerin gearbeitet. Ich habe es dann in Berlin noch mal mit Schule versucht, aber das ging nicht mehr.

Sie sind 1990 mit einer DDR-Gulaschkanone in die Selbstständigkeit gestartet.

 

Ja, das war ein Militärlaster mit Anhänger, den ich gar nicht selber fahren konnte. Für 2500 Mark plus 7500 Mark für Gasherd, Umbau und Kochutensilien. Das Geld kam von der Bank, zu 14,5 Prozent Zinsen. Mir war klar, wenn ich das nicht zurückzahlen kann, bin ich ruiniert. Ansonsten hatte ich von Wirtschaftlichkeit keine Ahnung.

Sie brachten sich Ihre Kochkunst selbst bei, und es funktionierte.

 

Ich habe viel von anderen Köchinnen und Köchen gelernt. Ich kochte jeden Tag frisch und mit Liebe – das kam gut an. Ich habe mir meinen Beruf gewissermaßen selbst geschaffen. Auch weil ich nie von jemandem abhängig sein wollte.

Woher haben Sie die Kraft genommen?

 

Aus den Umständen. Ich hatte nicht mal einen Plan, bin durchs Leben mäandert. Bis sich das Thema Essen als rote Linie herausstellte. Das steckte einfach in mir drin. Komisch, oder?

Return to list